Alleinerziehend
Kindererziehung, Haushalt und Job, wenig Geld, wenige soziale Kontakte und immer die Frage: “Wo lasse ich mein Kind?”. Das ist die alltägliche Situation der Mütter und Väter, die ihre Kinder allein erziehen.
Ohne Überlebensstrategie bleiben Mutter oder Vater schnell auf der Strecke: der Burn-out zwischen den Anforderungen im Job und dem ständigem schlechten Gewissen, dem Kind nicht genug geben zu können, ist vorprogrammiert. Lesen Sie in unseren Survival-Tipps, wie Sie Ihr Leben als Eineltern-Familie stressfreier organisieren.
Survival-Plan für Alleinerziehende
Verschaffen Sie sich einen Überblick
Ob Sie schon von Anfang an Ihr Kind allein erzogen haben oder ob Sie durch Scheidung oder Trennung nun allein erziehend sind - es lohnt sich, sich einmal mit der eigenen Situation auseinander zusetzen. Nehmen Sie sich einige Stunden Zeit und analysieren Sie Ihre Lebenssituation. Das ist dann Ihre Grundlage, die Sie brauchen, um Lösungen zu finden.
Schaffen Sie sich eine gemütliche Atmosphäre und legen Sie einige Unterlagen bereit: Einkommensnachweis, eine Übersicht mit möglichen Unterstützungen für Alleinerziehende, verschiedene Dokumente rund ums Kind, eventuell Ablehnungsschreiben vom Kindergarten usw. - einfach alles, was Ihre derzeitige Situation repräsentiert. Bestellen Sie sich Broschüren, die Ihnen weiter helfen können. Im Folgenden finden Sie einige aufgelistet.
Versuchen Sie nicht, gleich Lösungen zu finden, dafür ist immer noch Zeit. Machen Sie zuerst eine Bestandsaufnahme:
Stressfaktoren für Alleinerziehende
Was stresst Sie in Ihrer derzeitigen Lebenssituation am meisten? Womit haben Sie die größten Probleme? Erstellen Sie eine Liste mit 3 Spalten. In die erste tragen Sie ein, was Ihnen Sorgen macht, in der 2. Spalte halten Sie fest, wie Ihr Optimal-Zustand wäre. Spalte 3 brauchen Sie jetzt noch nicht.
In der ersten Liste geht es um Ihre Gefühle, Ihre Wünsche, in der zweiten um die harten Fakten. Hier einige Anregungen, über welche Punkte Sie nachdenken können. Ergänzen Sie die Liste einfach um alles, was für Sie wichtig ist.
Wenn Sie unter Möglichkeiten/Ideen leere Felder haben, sprechen Sie mit anderen darüber. Oft hat jemand, der eine Situation von außen betrachten kann, die besten Ideen. Auch Experten können Sie um Rat bitten: Mütterzentren, Alleinerziehenden-Verbände stehen Ihnen mit gutem Rat zur Seite.
Haushaltseinkommen und Versorgung
Erstellen Sie ein grobes Budget: Welche Einnahmen haben Sie, welche finanziellen Hilfen bekommen Sie? Erstellen Sie auch eine grobe Auflistung Ihrer Ausgaben, damit Sie sehen, wo Sie stehen. Haben Sie schon irgendwelche Hilfen beantragt? Tipp: Nutzen Sie die Broschüre “Allein erziehend - Tipps und Informationen” (siehe Service-Teil). Dort finden Sie eine Übersicht über finanzielle Hilfen.
Kinderbetreuungsnetzwerk
Schreiben Sie alle Namen von Menschen auf, die Ihr Kind betreuen (könnten). Erstellen Sie einen Wochenplan und notieren Sie, wer wann Zeit hat - so machen Sie die Zeiten aus, in denen Sie niemand für Ihr Kind haben. Welche Institutionen können Ihnen weiter helfen? Finden Sie jetzt noch keine Lösungen, sondern legen Sie Ihre Aufzeichnungen erst einmal weg.
Bildungs- und Berufssituation für Alleinerziehende
Schreiben Sie auf, wie Ihre derzeitige berufliche Situation ist und wie Sie sich dabei fühlen. Falls Sie einen Job suchen, notieren Sie, wie der Arbeitsplatz aussehen soll. Arbeitszeiten, Entfernung von Ihrem Zuhause etc. - schreiben Sie einfach alles auf.
Kontakte und Kooperationslage
Alleinerziehende vereinsamen schnell, besonders, wenn sie nicht arbeiten. Listen Sie alle Menschen auf, die zu Ihrem Lebensumfeld gehören. Wann hatten Sie den letzen Kontakt, wie ist es um die Beziehung/Freundschaft bestellt? Was wünschen Sie sich? Haben Sie Kooperationen mit anderen Müttern/Vätern/Eltern? Könnten Sie sich Kooperationen vorstellen? Notieren Sie Ihre Ideen.
Nur für Sie
Was tun Sie für sich? Nehmen Sie ab und zu eine Auszeit und kümmern sich nur um sich? Schreiben Sie einmal auf, woraus Sie Ihre Energie beziehen. Was würden Sie gerne tun?
Nehmen Sie es in Angriff
Nun ist es an der Zeit, Lösungen zu finden. Nehmen Sie sich beide Listen vor und bearbeiten Sie einen Punkt. Beispiel “Geld”. Schauen Sie sich die Spalte “Möglichkeiten/ Ideen” an. Was können Sie davon umsetzen? Tragen Sie das gleich in Ihre To-Do Liste ein. Legen Sie fest, bis wann Sie alles erledigt haben wollen. Überprüfen Sie immer wieder, ob Ihre Aktionen Sie Ihrem Wunsch-Zustand näher bringen.
Legen Sie verschiedene Hängeordner für Ihre einzelnen Ziele an und schreiben Sie alle Aufgaben gleich in Ihren Terminkalender, so dass Sie sie nach und nach abarbeiten können. Wenn Sie sich über einen Zeitraum von einigen Wochen immer wieder Zeit nehmen, an Ihren Zielen zu arbeiten, werden Sie erstaunt sein, wie sehr sich das Leben in Ihrer kleinen Familie verbessern wird.
Fördern Sie Ihre Kinder
Je selbstständiger Ihre Kinder sind, um so geringer ist die Belastung für Sie und um so harmonischer kann Ihr Familienleben verlaufen. Kontakte zu Erwachsenen beiderlei Geschlechts sind ebenso wichtig wie Freundschaften mit gleichaltrigen Kindern.
Achten Sie auf sich
Haushalt, Job und Kind - diese dreifache Belastung kann schnell zu einem Burn-out Syndrom führen, selbst bei Müttern, die von einem Partner unterstützt werden. Alleinerziehende Mütter sind jedoch weitaus häufiger betroffen.
Gönnen Sie sich ganz bewusst Pausen und tragen Sie diese Auszeiten in Ihren Terminplaner als Termine mit sich selbst ein, sonst wird meistens im Alltags-Stress sowieso nichts daraus. Wenn Sie wissen, was Ihnen gut tut, wird Ihnen das dabei helfen, die Herausforderung Eineltern-Familie zu meistern. Schauen Sie sich einmal in Familienbildungsstätten und Volkshochschulen um, die viel zum Thema Wellness, Gesundheit und Stressbewältigung anbieten. Yoga, Autogenes Training, Tai-Chi sind wahre Stresskiller. Jede Beschäftigung, bei der Sie nichts leisten müssen, sondern einfach nur “sein” dürfen, hilft Ihnen, Ihren Alltag zu bewältigen. Nehmen Sie Mutter-Kind Kuren in Anspruch und beantragen Sie mögliche Zuschüsse.
Hilfe annehmen
Gerade allein erziehende Mütter tappen in die Falle, ihrer Umwelt etwas beweisen zu müssen. In dem Irrglauben, alles allein schaffen zu können und zu müssen, ist manche Mutter schnell ausgebrannt.
Lernen Sie, Hilfe anzunehmen - nicht nur aus dem Freundeskreis und der Verwandtschaft. Auch Beratungsstellen wie die Familienberatung oder Mütterzentren können Ihnen viele Tipps geben, wie Sie das Leben mit Kind meistern können. Hier bekommen Sie nicht nur guten Rat, sondern meistens auch tatkräftige Unterstützung. Eine Suchmaschine für Eltern-Beratungsstellen finden Sie hier: www.bke.de/ratsuchende.htm.
Nutzen Sie jede Unterstützung, die Sie bekommen können und die Ihnen weiter hilft, ein besseres Familienleben zu führen.
Bilden Sie ein Netzwerk für Alleinerziehende
Vielen anderen Müttern geht es genau wie Ihnen. Scheuen Sie sich nicht, andere Mütter und Väter anzusprechen und ein Netzwerk aufzubauen. So ist es zum Beispiel eine immense Erleichterung, wenn sich einige Mütter zusammenschließen und wechselseitig die Kinderbetreuung übernehmen. Auch andere Aufgaben können gebündelt werden. Müssen Sie ab und zu auf Ämter gehen, um Anträge zu stellen etc.? Organisieren Sie sich mit anderen und erledigen Sie Anträge und anderes gebündelt. Genauso lässt sich vieles im Haushalt gemeinsam mit anderen besser und schneller erledigen. Bilden Sie Fahrgemeinschaften und organisieren Sie abwechselnd die Freizeit der Kinder. Seien Sie kreativ und finden Sie gemeinsam mit anderen Eltern Wege, wie Sie sich gegenseitig unterstützen können.
Service: Broschüren für Alleinerziehende
Eltern bleiben Eltern
Sie gehen als Paar auseinander - aber Sie werden Ihr Leben lang Eltern bleiben. Diese Broschüre gibt wertvolle Tipps, wie das Leben mit Kind und getrennten Partnern möglichst stressfrei ablaufen kann. Hier können Sie die Broschüre bestellen:
Tel.: 089 / 4 36 10 91
http://www.dajeb.de
Studieren mit Kind
Sozialberatung des Studentenwerkes Berlin, Bereich FU
Thielallee 38, Zi. 11, 14195 Berlin
Tel.: 030 / 83 00 24 98
Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung
Die Publikation “Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung - Konzepte und Praxisbeispiele“, die von Dr. Harald Seehausen (Frankfurter Agentur für Innovation und Forschung) und Elena de Graat (Forschungs- und Beratungsinstitut work & life) erstellt wurde, ist kostenlos erhältlich bei der Broschürenstelle des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 53107 Bonn,
Tel. 0180 / 5 329 329
E-Mail: broschuerenstelle@bmfsfj.bund.de
Allein erziehend - Tipps und Informationen
Diese Broschüre wird vom Verband allein erziehender Mütter und Väter herausgegeben. Sie kann bestellt werden bei der VAMV-Bundesgeschäftsstelle, Beethovenallee 7, 53173 Bonn. http://vamv-bundesverband.de
