Das Babytragetuch
Mütter oder Väter, die Ihr Kleines in einem Kinderwagen vor sich herschieben, sind für uns ein vertrautes bild. In den letzen Jahren fallen jedoch immer mehr Eltern auf, die Ihr Kind auf dem Bauch oder auf dem Rücken tragen. Für manchen mutet das merkwürdig an und zweifelnde Kommentare sind nicht selten. “Tut sich das Kind nicht weh“? “Kann es nicht heraus rutschen” ? und andere Kritik kommt von Passanten, aber auch Familienmitgliedern.
Lesen Sie hier, wie viele Vorteile das Tragen Ihrem Kind und auch Ihnen bringt. Sie werden sehen: Wer es erst einmal für sich eindeckt hat, möchte das Tragetuch nicht mehr missen.
Gab es den Kinderwagen schon immer?
Weil der Kinderwagen uns so vertraut ist, kommen nur wenige auf die Idee, dass das nicht die einzige Beförderungsmöglichkeit für ein Baby ist. Ganz im Gegenteil: Das Tragen war DIE Methode schlechthin, bis Königin Victoria den Kinderwagen für sich entdeckte und salonfähig machte. Der Kinderwagen ist genau genommen ein Modetrend.
Die Naturvölker leben es den “zivilisierten” Völkern vor: Das Kind ist immer mit dabei- ob auf dem Feld oder bei Hausarbeit. Das Faszinierende daran: Sie werden kaum schreiende, quengelnde Kinder finden. Warum ist das so?
Das Baby ist ein Tragling
Diesen Satz prägte der Biologe Bernhard Hassenstein. Bis zu seinen Erkenntnissen wurden in der Biologie nur 2 Typen von Nachwuchs unterschieden.
- Nesthocker
- Nestflüchter
Primatenjunge jedoch waren weder das eine noch das andere: sie klammern sich im Fell der Mutter fest. Sie sind “aktive Traglinge”. Im Laufe der Zeit verschwand das Fell beim Menschen und das Kind konnte sich nicht mehr anklammern. Die Hüften unserer weiblichen Vorfahren waren viel stärker ausgeprägt und gaben einen perfekten Reitsitz ab. Der menschliche Säugling ist im Laufe der Evolution zum “passiven” Tragling geworden, der mit Hilfe eines Tragetuchs am Körper befördert wird.
Vieles deutet darauf hin, dass Babys geradezu erwarten, getragen zu werden. Das Baby ist problemlos in der Lage, sein Gewicht zu halten, dafür sorgt der Klammer- oder Festhaltereflex . Sobald Ihr Baby den Kontakt zum Boden verliert, geht es automatisch in die Anhock-Position und bereitet sich so auf das Getragenwerden vor. In dieser Position kann der Säugling bequem gehalten werden. Auch dieser Automatismus beim Kind lässt den Schluss zu, dass Babys von Natur aus für das Tragen angepasst sind.
Medizinische Bedenken?
Viele Mütter und Väter haben die Befürchtung, das Tragen sei schlecht für Babys Rücken. Dass diese Befürchtung unbegründet ist, lässt sich mit etwas Wissen um die Entwicklung des Säuglings nachweisen. So lange das Kind im Mutterleib ist (und auch einige Zeit danach) ist die Wirbelsäule des kleinen Menschen noch nicht S-förmig , sondern rund. Deswegen ist es für das Kleine keinesfalls schädlich, vor dem Bauch getragen zu werden- ganz im Gegenteil.
Auch die Bedenken, das Kind könne zu wenig Luft bekommen oder gar ersticken, sind völlig unbegründet. Kein Baby würde sang- und klanglos auf Ihrem Rücken oder Bauch ersticken. Selbst Babys, die erst wenige Tage alt sind, können sehr gekonnt ihren Unmut äußern, wenn etwas nicht passt. Ihr Baby wird sich immer in eine Lage drehen, in der es gut Luft bekommt.
Vorteile vom Babytragetuch
Wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Tragetuch das Richtige für Sie und Ihren Sprössling ist, beobachten Sie einmal Kinder, die so von Ihren Müttern und Vätern befördert werden.
Entweder schauen sie aufmerksam und beobachten voller Interesse, was ihr großer Träger gerade macht oder sie schlummern friedlich in ihrer bequemen Haltung. Wenn Sie aufmerksam beobachten, werden Sie feststellen, dass Kinder in Tagetüchern ganz offensichtlich den intensiven Körperkontakt genießen. Mutter oder Vater haben immer Augenkontakt- und wenn das Kleine auf dem Rücken sitzt, genügt eine kurze Kopfdrehung zur Seite um Nähe herzustellen.
Wenn Ihr Kind so nah an Ihrem Körper ist. macht es jede Bewegung mit, die Sie durchführen. So hat Ihr Baby schon sehr früh Bewegungs-Erlebnisse, die es sonst nicht hätte. Sonst würde es ziemlich passiv in seinem Bettchen oder im Kinderwagen liegen.
Ein Tragetuch hat noch einen entscheidenden Vorteil: In dieser aufrechten, aktiven Position hat Ihr Baby nicht das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Auch wenn Ihr Baby es nicht bewusst wahrnimmt, ist es doch in einer “ohnmächtigen” Position. Es liegt auf dem Rücken und ist darauf angewiesen, dass sich jemand zu ihm hinunter beugt. Im Tragetuch nimmt es am Geschehen teil. Baby erlebt Leben pur- von Anfang an.
Freie Hände und ein freier Kopf
Stellen Sie sich folgendende Situation vor: Ihr Sonnenschein weint herzzerreißend, weil er Ihre Fürsorge braucht. Aber ein schneller Blick auf das Chaos in Ihrer Küche sagt Ihnen, dass auch hier Engagement angesagt ist. Schnell das Kind in den Arm nehmen, wieder hinlegen, den Haushalt erledigen. Viele Mütter und Väter geraten in den Stress, sich zweiteilen zu müssen. In letzter Konsequenz haben sie dann keine von den beiden Aufgaben zur Zufriedenheit ausgeführt. Mit dem Babytragetuch haben Sie immer die Hände und den Kopf frei. Sie können mühelos telefonieren, den Haushalt auf Vordermann bringen, im Garten arbeiten usw. Ihr Kind genießt es, so nah bei Ihnen zu sein und all das Spannende zu beobachten, das den ganzen Tag passiert.
Tipps und Tricks rund ums Babytragetuch
- Tragen Sie auf keinen Fall Stöckelschuhe, wenn Sie Ihr Baby tragen. Die Sturzgefahr ist zu hoch!
- Wenn Sie sich sehr unsicher sind, was die richtigen Binde-Techniken betrifft, können Sie einen Kurs besuchen. In aller Regel ist das aber nicht nötig. Das richtge Binden erfordert einige Übung, aber jeder kann es leicht erlernen!
- Vermitteln Sie die Binde-Technik auch anderen Personen, die Ihren Sprössling betreuen.
- Auch für Kinder, die unter Koliken leiden, ist das Getragen-werden optimal. Wenn die Mutter das Tuch ziemlich fest bindet, wird Babys Bauch durch die Bewegungen sanft massiert.
- Kaufen Sie sich einen sehr weiten Wintermantel. Ihr Baby wird es im Tragetuch unter dem Mantel beneidenswert warm haben.
