Haustier und Baby
Zweifellos sind die Deutschen tierlieb: In den meisten Haushalten gibt es mindestens ein Haustier. Besonders Paare ohne Kinder haben gerne ein Haustier um sich, bringen die Tiere doch Leben und Wärme ins Haus. Wenn sich dann ein Baby ankündigt, sind viele Eltern verunsichert: Wird das Zusammenleben mit Tier und Baby gut gehen?
Gefahr für die Schwangere durch Haustiere?
Für eine schwangere Frau kann die Toxoplasmose gefährlich werden. Die Erreger befinden sich in Katzenkot und können den Fötus schwer schädigen. Diesem Problem können Sie aus dem Weg gehen, wenn Sie sich regelmäßig die Hände waschen, nachdem Sie Ihre Katze gestreichelt haben. Bei Stadtkatzen reduziert sich die Gefahr auf ein Minimum, da sich diese Katzen weitaus weniger in der Natur bewegen als Ihre Verwandten im ländlichen Bereich.
Das Haustier – gefährlich für das Baby?
Von einem Tier können verschiedene Gefahren für das Neugeborene ausgehen. Die meisten können Sie jedoch auf ein Minimum reduzieren.
Hunde, die eifersüchtig sind, können schon einmal nach dem Kind schnappen. Größere Hunde können Krabbelkinder im Spiel umwerfen. Was die Verhaltensweise des Tieres betrifft, können Sie durch erzieherische Maßnahmen und viel Zuwendung vorbauen.
Ein weiteres Problem sind die Tierhaare. Tierhaare wirken allergieauslösend. Jedoch fanden schwedische Wissenschaftler heraus, dass es ganz wesentlich auf den Zeitpunkt ankommt, an dem das Baby mit den Tierhaaren konfrontiert wird. Wenn bereits im ersten Lebensjahr des Babys ein Haustier im Haushalt lebt, bekommen diese Kinder seltener Allergien, Asthma oder ähnliche Erkrankungen als Kinder, die ohne Tier aufwachsen.
Genervt vom Baby – Eifersucht beim Haustier
Je mehr ein Tier sich an Menschen bindet, um so mehr empfindet es sich selbst auch als vollwertiges Familienmitglied. Durch ein Baby wird die Welt Ihres Haustieres komplett auf den Kopf gestellt. Hunde und Katzen reagieren unterschiedlich, doch beide werden schon während der Schwangerschaft spüren, dass ein großes Ereignis bevorsteht. Die Vorbereitung für ein reibungsloses Zusammenleben mit dem Kleinen und dem Hund oder der Katze beginnt also schon weit vor der Geburt.
Behandeln Sie Ihren Vierbeiner nicht anders als sonst. Kümmern Sie sich um ihn, zeigen Sie ihm, dass er geliebt wird. Geben Sie ihm aber nicht mehr oder weniger Aufmerksamkeit als üblich. So vermitteln Sie Ihrem Tier eine gewisse Kontinuität.
Viele Tierärzte raten, mit Hund oder Katze vor der Geburt des Kindes in das zukünftige Kinderzimmer zu gehen. Lassen Sie zu, dass Ihr Haustier sich mit dem Neuen vertraut macht. Lassen Sie Spielzeug und andere Gegenstände ausgiebig beschnüffeln. Sie können diese anschließend wieder säubern.
Das Kinderzimmer gehört zum Revier Ihres vierbeinigen Gefährten, sperren Sie ihn also nicht aus. Auch wenn Ihr Sprössling sein Zimmer bezogen hat, gibt es keinen Grund, die Tiere aus diesem Bereich des Hauses auszusperren.
Wenn Ihr Baby dann zur Welt gekommen ist, rückt es natürlich in den Vordergrund. Gerade deshalb ist es wichtig, dass der Vater sich verstärkt um das Haustier kümmert. Nur so lässt sich verhindern, dass das Tier krank wird oder gar für das Baby eine Gefahr darstellt.
Das Haustier – Der beste Freund des Menschen
Hunde empfinden es als sehr verwirrend und auch bedrohlich, wenn plötzlich ein neues Familienmitglied da ist. Das Sozialverhalten der Hunde sieht vor, dass sich der Hund immer nur dominanten Familienmitgliedern unterordnet – nur diese werden von ihm respektiert.
Da das Baby sich noch nicht artikulieren kann und auch keine Dominanz demonstriert, wird der Hund das Baby am Anfang in der “Hackordnung” unter sich einordnen. Achten Sie ganz besonders auf die Körpersprache des Hundes: Knurren, angelegte Ohren und Schnappen sind eindeutige Zeichen von Aggressivität. Diese Gesten haben nichts damit zu tun, dass Ihr Hund plötzlich einen schlechten Charakter offenbart, sondern er handelt nur seiner Natur entsprechend. Korrigieren Sie dieses Verhalten, aber bestrafen Sie ihn nicht; das würde die Situation nur verschlimmern.
Viele Hunde reagieren nicht mit Aggression, sondern sie werden depressiv und verweigern die Nahrungsaufnahme. Hier hilft nur Zuwendung und viel Liebe. Vermitteln Sie Ihrem Hund immer die Gewissheit, dass sich an Ihren Gefühlen für ihn nichts geändert hat. Hunde brauchen wie alle Haustiere, die sich auf die Menschen fixieren, Ihre Liebe wie die Luft zum Atmen.
Sprechen Sie vor der Geburt des Kindes mit Ihrem Tierarzt: Er kennt den Gesundheitszustand Ihres Tieres und im Optimalfall kann er auch seinen Charakter gut einschätzen. Er wird Ihnen wertvolle Tipps für ein harmonisches Miteinander von Kind und Tier geben können.
Der kleine Hauspanther
Das Sozialverhalten von Katzen ist weniger ausgeprägt, auch Hierarchien sind Katzen fremd. Die meisten Samtpfoten werden das Kleinkind eher ignorieren als mit Aggression zu reagieren. Wenn die Katzen eine sehr enge Beziehung zu ihrem Lieblingsmenschen haben, reagieren sie eher mit Verkriechen oder Verweigern der Nahrungsaufnahme. Es kann auch passieren, dass der Hauspanther plötzlich die ganze Wohnung als Katzentoilette missbraucht. Dies ist seine Art zu zeigen, dass er sich vernachlässigt fühlt. Im Gegensatz zum Hund versöhnt sich eine Katze nicht so schnell, sorgen Sie daher für reichlich Streicheleinheiten.
Wenn das Baby zuhause ist, sollten Sie Ihrer Samtpfote klar machen, dass es im Umgang mit dem Baby Grenzen gibt. Im Babybett beispielsweise hat die Katze nichts zu suchen. Ein lautes “Nein”, in die Hände Klatschen oder zur Not eine Wasserpistole werden Ihre Katze schnell davon überzeugen, dass das Bett Ihres Babys nicht der richtige Platz zum Schlafen ist.
Andererseits braucht auch die Katze einen Freiraum – einen Ort, an den Sie sich zurückziehen kann. Sorgen Sie dafür, dass es einen Platz gibt, den das Baby vorerst nicht erreichen kann. Katzen fühlen sich von Kleinkindern oft belästigt, weil diese ihnen keine Ruhe lassen. So mancher Stubentiger ist aus diesem Grund schon einfach ausgezogen.
Die erste Begegnung zwischen Haustier und Baby
Die erste Begegnung von Baby und Haustier können Sie vorbereiten, indem Sie dem Tier erlauben, sich mit dem Geruch des Kinderzimmers “anzufreunden”. Außerdem kann der frischgebackene Vater aus dem Krankenhaus einen Strampler mitbringen, so dass das Haustier schon den Geruch des Babys kennen lernt. Beobachten Sie die Beiden eine Weile und achten Sie vor allem auf die Körpersprache Ihres Tieres.
Ziehen Sie Ihr Baby nicht panisch von Ihrem Hund oder Ihrer Katze weg. Das Tier könnte diese Handlung so interpretieren, dass das Baby für ihn eine Gefahr darstellt. Nicht nur für die erste Begegnung gilt: Achten Sie darauf, dass der Säugling nie mit dem Tier allein ist.
Tierische Tipps
Um zu verhindern, dass Ihre Katze Ihr Baby im Schlaf belästigt, können Sie eine Glocke am Babybett anbringen. Am besten geeignet ist eine Glocke aus dem Angelbedarf, die besonders empfindlich auf Bewegungen reagiert. So können Sie bei “Katzenalarm” sofort einschreiten.
Tiere haben Angst vor Zurückweisung, wenn ein neues Familienmitglied da ist. Planen Sie regelmäßig Zeit ein, in der Sie sich hauptsächlich dem Tier widmen.
Bei Fragen können Sie sich an Ihr örtliches Tierheim wenden.
Bitten Sie Besucher, besonders die, die Ihr Haustier kennen, nicht nur das Baby, sondern auch die Katze oder den Hund zu begrüßen. Das mildert Eifersucht.
Sobald bei Ihrem Baby die Krabbelphase beginnt, sollten Sie Katzenklo und Futter so aufstellen, dass Ihr Kind diese nicht erreichen kann.
Zeigen Sie Ihrem Kind von kleinauf, dass das Haustier kein Spielzeug ist. Machen Sie Ihrem Sprössling deutlich, dass der Hund oder die Katze eigene Bedürfnisse hat und schmerzempfindlich ist.
Ebenso wie das Bett des Babys tabu für das Tier ist, ist der Schlafplatz des Tieres tabu für das Kind. Auch hier hilft ein lautes “Nein”.
Wenn Sie erst planen, sich einen Hund anzuschaffen, wählen Sie eine kinderliebe Rasse. Das sind zum Beispiel: Collie, Golden Retriever, Beagle, Bobteil, Dalmatiner und einige mehr.
Lassen Sie Ihr Tier regelmäßig impfen und untersuchen. Ein gesundes Tier birgt so gut wie keine Gefahr für Ihr Baby.
Kinder brauchen Haustiere
Kinder, die ein Haustier um sich haben, profitieren immens davon. Sie sind selbstbewusster und übernehmen schneller Verantwortung als diejenigen, die kein Tier haben. Das Zusammenleben mit einem Tier fördert die Entwicklung Ihres Kindes – intellektuell und emotional. Einer psychologischen Studie zufolge sind die Kinder, die ein Tier haben, weitaus weniger konsumorientiert. Dies ist vermutlich so, weil sie keine Ersatzbefriedigung brauchen.
Es lohnt also auf alle Fälle, sich um ein harmonisches Miteinander zu bemühen. Alle Familienmitglieder werden davon profitieren – Zweibeiner und Vierbeiner.
