Geburtsvorbereitung
Geburtsvorbereitung
Neun Monate hat Ihr Baby Zeit, zu einem kleinen Menschen heranzuwachsen. Für die werdende Mutter Zeit genug, sich seelisch und körperlich auf den großen Tag vorzubereiten, an dem der neue Erdenbürger auf die Welt kommt.
Von der Gymnastik zur ganzheitlichen Geburtsvorbereitung.
“Warum eigentlich Geburtsvorbereitung?”, wird sich manche Schwangere angesichts eines vollen Terminkalenders fragen. Früher gab es so etwas schließlich auch nicht. Die Geburt war eine Sache, die nur die Frau anging. Wenn die Wehen nicht mehr zu ignorieren waren, zog sie sich mit der Hebamme und vertrauten Frauen zurück und gebar ihr Kind. In den Anfängen der Geburtsvorbereitung ging es darum, die Schwangere auf den Ablauf im Krankenhaus und die damit verbundene Technik vorzubereiten. “Hygienevorschriften” machten die Anwesenheit des Mannes unmöglich, Rooming-In gab es nicht. Die Abwicklung von Geburten wurde mehr unter dem wirtschaftlichen und technischen Aspekt betrachtet und darauf wurde auch die Geburtsvorbereitung ausgelegt.
Die Kurse bestanden zu dieser Zeit im wesentlichen aus Gymnastik. Der seelische Faktor, die Mitarbeit der Frau bei der Geburt , Entspannung und Atmung standen nicht im Mittelpunkt der Vorbereitung.
Das sollte sich im Laufe der letzen 30 Jahre ändern. Ärzte und Geburtshelfer entwickelten verschiedene Ansätze zur Geburtsvorbereitung. Im Mittelpunkt steht nun die Frau, die mit ihren Bedürfnissen und Ängsten ernst genommen wird. Die Kursleiterinnen bieten nun mehr als Schwangeren-Turnen an, auch die weibliche und kindliche Psych. werden einbezogen.
Die Erkenntnis, dass die Angst den Schmerz beeinflusst, hat viel für die schwangeren Frauen verändert.
Geburtsvorbereitung ist mehr als ein Kurs
Ein Kurs zur Geburtsvorbereitung kann viel Positives bei der Schwangeren und ihrem Partner bewirken, er ist jedoch nicht alles.
Auch die mentale Vorbereitung spielt eine wesentliche Rolle. Während ihrer Schwangerschaft denken die werdenden Mütter oft über die Geburt nach und visualisieren dieses einschneidende Ereignis auch. Und dabei kommt es darauf an, wie Sie sich dieses Ereignis vorstellen. Lassen Sie zu, dass eine Geburt mit Schmerzen verbunden ist. Wer das zulässt, kann auch den Schmerz loslassen. Zum Mental-Training gehört aber auch, dass Sie schon vorab in dem Glücksgefühl schwelgen, das Sie empfinden werden, wenn Sie Ihr Baby in den Armen halten. Diese ganz besondere Vorfreude wird Sie motivieren, die Geburt als das zu erleben, was Sie ist: Ein Wunder.
Verschiedene Methoden für eine angstfreie Geburt
- Dr. Michel Odent:
Er vertritt die Idee, dass die Frau während der Geburt ausschließlich auf ihren Körper hören soll. Laute Singübungen sollen Frauen enthemmen und in die Lage versetzen, während der Geburt laut zu schreien. Das lindert den Schmerz. - Dr. F. Lamaze:
Lamaze fordert die Frauen auf, sich nicht passiv den Schmerzen hinzugeben, sondern aktiv zu werden. Das geschieht durch spezielle Atemübungen. Der Vater hat bei der Lamaze-Methode eine große Bedeutung, er wird aktiv in den Geburtsablauf einbezogen. - Sheila Kitzinger:
Ihre Übungen beziehen immer die Frau und den Mann ein. Die werdende Mutter soll zwar den Schmerz zulassen, aber sich im wesentlichen auf das Baby konzentrieren. - F. Leboyer:
Nach Leboyer ist es völlig normal, wenn die schwangere Frau Angst vor der Geburt hat. Er rät den Frauen, die Angst anzunehmen und ihr zu begegnen. Dabei kann seiner Ansicht nach Yoga helfen.
Geburtsvorbereitungs Kurse
Als Schwangere haben Sie einen Anspruch auf 14 Stunden Geburtsvorbereitungs-Kurs. Alles, was darüber hinaus geht, müssen Frau und Mann selbst finanzieren. Die Investition lohnt sich aber auf alle Fälle, denn Sie werden die Geburt aktiver und entspannter erleben. Damit Sie von einem Kurs wirklich profitieren, sollte er auf 5 Säulen basieren:
Die Atemtechniken helfen Ihnen, die Schmerzen während der Geburt zu bewältigen.
Die Gymnastik ist heute nur einer von vielen Kurs-Bestandteilen, sie unterstützt den Stoffwechsel und fördert Ihr Wohlbefinden auch mit “Kugelbauch”.
Die Männer erlernen in diesen Übungen, wie Sie ihre Partnerin aktiv unterstützen können, z.B. mit einer Massage.
Der Kontakt mit anderen Schwangeren oder anderen Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, trägt dazu bei, dass die werdenden Eltern Ängste, Unsicherheiten und Probleme überwinden können.
Das Wissen um Schwangerschaft und Geburt macht Frauen und Männer unabhängiger und selbstsicherer. Im Seminar lernen die Paare, welche seelischen und körperlichen Veränderungen jeder in der werdenden Familie durchmacht, wie die Geburt abläuft und welche Geburtsmethoden es gibt. Außerdem können die Teilnehmer sich in der Runde austauschen, in welcher Klinik sie ihr Kind zur Welt bringen möchten.
Die Entspannung wird Ihnen helfen, die Strapazen der Geburt durchzustehen und in den Wehenpausen neue Kraft zu sammeln.
Neben den Grundkursen können Sie weitere Methoden zur Geburtsvorbereitung nutzen.
Akupunktur kann dazu beitragen, dass sich bei der Geburt die Gebärmutter schneller öffnet. Das bedeutet einen kürzeren Geburtsverlauf.
Allerdings spricht nicht jede Frau auf Akupunktur an. Lassen Sie sich am besten von Ihrer Hebammen oder Gynäkologin beraten.
Auch Wassergymnastik ist eine Maßnahme, die Sie zusätzlich zum Grundkurs durchführen können. Sie fühlen sich herrlich leicht und befreit und Ihr Körpergefühl verbessert sich.
Shiatsu verbessert die Befindlichkeit während der Schwangerschaft und kann Ihnen außerdem die Geburt erleichtern. Es gibt spezielle Übungen für Mütter in spe. Diese speziellen Kurse sind jedoch kein Ersatz für einen Grundkurs, sie können aber eine sehr bereichernde Ergänzung sein.
Der Nachteil: Die “exotischen” Kurse werden meist nicht von der Krankenkasse übernommen und sind mit 50 bis 120 Mark pro Übungsstunde recht teuer. Tipp: Wenn Sie bestimmte Beschwerden haben, kann Ihnen Ihr Arzt ein Rezept ausstellen und Sie bekommen die Gebühr in den meisten Fällen erstattet. Sprechen Sie vor Kursbeginn am besten mit Ihrer Krankenkasse.
Geburtsvorbereitung kompakt
- Melden Sie sich rechtzeitig an, die Kurse sind schnell ausgebucht. Am besten zwischen der 10. und 20. Schwangerschaftswoche einen Platz reservieren.
- Besser spät als nie. Wenn Sie sich spät entschließen, doch noch an einem Kurs teilzunehmen, können Sie einen Crash-Kurs besuchen. An einem Wochenende erlernen Sie das Wichtigste für Ihre Geburt.
- Den Kurs absolvieren Sie im 6.-8. Schwangerschaftsmonat.
- Kurse werden veranstaltet von : Hebammen, Familienbildungsstätten, Gynäkologen, Klinken, Geburtshäusern und pro-familia.
- Die Kurse haben eine durchschnittliche Laufzeit von 20 Treffen (Dauer: ca. 2 Stunden)
- 14 Stunden werden von der Krankenkasse bezahlt
Ist der Mann auch schwanger?
Sollte der Partner zum Geburtsvorbereitungs-Kurs mitgehen? Eines vorweg: In dieser Frage gibt es kein “Muss”. Frau und Mann sollten sich klar werden, ob Sie diesen Teil der Schwangerschaft miteinander teilen möchten. Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen, dass der Mann an dem Kurs teilnimmt. Wenn der Partner sich erst bei der Ankunft mit dem Nachwuchs beschäftigt, entgeht dem werdenden Vater viel Bereicherndes.
Im Vorbereitungskurs kann er sich auf den “Tag X” einstellen, falls er an der Geburt teilnehmen möchte. Er lernt, wie er seine Partnerin unterstützen und ihr den Geburtsvorgang leichter machen kann. Aber auch, wenn der werdende Vater den Gang in den Kreissaal nicht antritt, wird er seine Partnerin durch die gemeinsame Teilnahme besser verstehen.
Kritisch anzumerken ist, dass Männer in den Kursen keinen männlichen Ansprechpartner finden, der auf ihre besonderen Ängste, Sorgen und Fragen bezüglich der Schwangerschaft und Geburt eingehen kann.
Interview mit einer Geburtsvorbereiterin
Frau Gudrun Plümer-Unterberg ist Pädagogin und Geburtsvorbereiterin (GfG)
Babywunder: Frau Unterberg, wie wünschen Sie sich als Kursleiterin die Teilnehmerinnen am Geburtsvorbereitungs-Kurs?
Plümer-Unterberg: Ich wünsche mir Offenheit und die Bereitschaft mitzuarbeiten. Der Erfolg eines Kurses hängt ganz wesentlich davon ab, ob die Frau bereit ist, Verantwortung für ihre Geburt zu übernehmen.
Babywunder: Warum nehmen manche Frauen nicht an einem Kurs teil?
Plümer-Unterberg: In den letzten Jahren zeichnet sich eine sehr negative Entwicklung ab: Die Frauen sind so massiv in Beruf und Familie eingespannt, dass sie schlichtweg keine Zeit haben, einen Kurs zu besuchen. Ohne Vorbereitung ist sie jedoch allem, was auf sie zukommt, ausgeliefert und kann nicht sonderlich aktiv in das Geburtsgeschehen eingreifen.
Babywunder: Was können Frauen sonst noch tun, um sich auf die Geburt vorzubereiten?
Plümer-Unterberg: Information ist wichtig! Also: gute Bücher kaufen und zusammen mit dem Partner schmökern. Die Literatur kann aber nicht den persönlichen Austausch in einem Geburtsvorbereitungs-Kurs ersetzen.
Tipps von der Hebamme zur Geburtsvorbereitung
- Trinken Sie im 9. Monat täglich 2 Tassen Himbeerblättertee. Das lockert den Gebärmutterhals.
- Massieren Sie täglich den Damm mit Weizenkeimöl.
- Zur Geburtsvorbereitung gehört auch, dass Sie Ihre Brustwarzen vorbereiten. Abwechselnd warm und kalt abwaschen ist die eine Variante; die andere ist lustvoller: Ihr Partner soll regelmäßig an Ihren Brustwarzen saugen.
